Der Flintstein ist ein Steinbohrer aus der Steinzeit

A) Über 5.000 Jahre lag der Flintstein in Kampen auf dem „Roten Kliff“, bevor er in der Mitte des 20. Jh. nach starken Kliff Abbrüchen auf den Strand gestürzt ist. Dort kam er sporadisch mit Seewasser in Berührung, wenn der Sandstrand bei hohen Fluten überspült wurde.

B) Der Flintstein ist 16,5 cm lang, 5 cm/4 cm breit und 0,742 kg schwer. Von der rhombisch geformten Oberkante verjüngt er sich zur Spitze des Bohrers. Der Bohrkopf ist konisch und erreicht eine Tiefe von 4,3 cm. Bei beidseitiger Bearbeitung und Durchbohrung des Werkstücks, könnte dies bis zu 8 cm dick gewesen sein.

Bild: Mikroskopie & 3D-Messtechnik KEYENCE

Das schwarze Plateau auf dem „Roten Kliff“ war von Kampen bis Wenningstedt im letzten Jahrhundert ein Fundgebiet von zahlreichen steinernen Artefakten.

Quelle: „Vorgeschichte der nordfriesischen Inseln“ S. 380 bis 421, von Karl Kersten und Peter La Baume

A u. B) In den 50. Jahren befand sich die Lagerstelle des Flintsteins schon nahe an der Kliff Kante, etwa 100 m vom Steingrab 180 entfernt.

Das „Rote Kliff“ in Kampen mit dem Kurhaus und im Hintergrund die „Uwe Düne“. Die Lagerstelle des Flintsteins befindet sich in etwa an der Kliff Kante, 150 m südlich von der Fundstelle 154 eines Flintpickels.

Bis zum Beginn der Sandvorspülungen hatten schwere Sturmfluten beachtliche Abbrüche am „Roten Kliff“ verursacht. Mit den Erdmassen stürzten auch Steinansammlungen auf den Strand und bildeten vor dem Kliff in einer ca. 300 langen Wasserrinne ein „steinreiches Spülfeld“, das nach den Sturmfluten wieder einsandete.

Im Winter 2020 hatten Sturmfluten das Sandpolster vor dem Kliff erneut „abgeräumt“ und dadurch das Spülfeld wieder freigelegt.

Mit einem Flintpickel formte man bei der Pickeltechnik aus einem Flintsteinrohling einen Steinbohrer

„Fundstelle 154. Lit.: Mitteilung von Hauptlehrer H. Schmidt im K.M.Archiv 1953. – Auf dem „roten Kliff“ vor dem Kurhaus fanden sich folgende Gegenstände, die in Privatbesitz gelangten. …. Darunter auch ein dicker graublauer Flintpickel mit schwach ausgebildeter Schneide, Seite roh zugeschlagen. Lge. 11.9 cm, gr. Breite 3 cm. Priv. Sammlung“.

Quelle: „Vorgeschichte der nordfriesischen Inseln“ von Karl Kersten und Peter La Baume – Seite 381, Tafel 7;

Entlang einer Linie wurden mit einem Flintpickel im Abstand von 4 bis 5 mm kleine Löcher in den Rohling gepickelt und der Flintstein durch Steinabschläge in die gewünschte Form gebracht. Verschiedene Stellen erhielten für besondere Funktionen einen Hohlschliff, der dafür wahrscheinlich auch poliert wurde.

Im Bildausschnitt erkennt man rechts an der Bohrer Spitze, oberhalb des Hohlschliffs weiße Punkte. Vermutlich handelt es sich um gepikkelte Löcher in einem Bereich, der geschliffen und poliert wurde. An der linken Seite der Bohrer Spitze befinden sich gepickelte Löcher.

Bild: Mikroskopie & 3D-Messtechnik KEYENCE

Ein Bildausschnitt von der Seite B des Flintstein Bohrers, mit den Abstandmaßen der gepickelten Löcher.

Als Unterschied zu den heutigen Wendelbohrern hat der Stein­bohrer lediglich einen 15 mm breiten und 45 mm hohen Hohl­schliff, der nach oben hin schmaler wurde.

Vermutlich brachte man den Bohrer beim Ziehen des Bogens in Rechtsdrehungen. Dadurch erhielt das Bohrloch einen glatten Wandschliff und der Bohrer wurde – durch den Hobelvorgang in dem Bohrloch – vorangetrieben. Beim Rückzug des Bogens hat die Spitze des Bohrers in Linksdrehungen die Späne des Materials über den Hohlschliff nach oben gedrückt.

Quelle: Wikipedia

A) In dem Büchlein „Der Gangbau des Denghoogs bei Wenningstedt auf Sylt“ schreibt Dr. F. Wibel 1869 auf den Seiten 36 bis 44 Bemerkungen über die Technik der Steingeräte

„Wunderbar und überraschend ist die hohe Kunstfertigkeit, mit welcher die Alten die härtesten Felsarten und Gesteine zu bearbeiten verstanden, die bis auf den heutigen Tag geblieben (S.36). – Über die erste Phase der Bearbeitung des Rohmaterials, über das „Zuschlagen“, sind wir besonders hinsichtlich des Flints, durch das Auffinden der sogen. Kernsteine, durch die Späne usw. hinlänglich aufgeklärt. Dass bei einer durch langjährige Erfahrung herangebildeten subtilen Beachtung der Spaltbarkeit der Gesteine überraschende Resultate zu erzielen sind, darf nicht bezweifelt werden (S.37).“

B) „Das die Bohr-Werkzeuge aus Stein und zwar aus Flint gewesen, wird nicht nur dadurch wahrscheinlich, dass der letztere eine so große Härte besitzt, sondern auch durch die Entdeckung solcher Stücke, welche sich ihrer Form und Stärke nach als Bohrer betrachten lassen. N i l s s o n *) bildet einen solchen zu diesem Zwecke nach seiner Ansicht bestimmten Schmalmeissel ab, der freilich mir bei der großen Sprödigkeit des Steins etwas sehr zart zu sein dünkt. Dagegen besitzt Herr Schilling in seiner mehrfach erwähnten schönen Sammlung ein bei Hadersleben gefundenes, etwa 16 cm langes, 3 cm breites und 2 cm dickes, nur wenig nach einem Ende hin sich verjüngendes Flint-Stück von rhombischem Querschnitt, welches eine Verwendung als Bohrer sehr plausibel macht, weil neben der kräftigen Beschaffenheit des Ganzen die Spitze entschieden durch Splitterung abgerundet erscheint“.

Zitat: Dr. F. Wibel, „Der Gangbau des Denghoogs bei Wenningstedt

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