Das Lister Tief, der neue Zufluchtshafen für Torpedoboote
„Auf der bekannten nordfriesischen Insel Sylt, an der Westküste Schleswig-Holsteins, weilten am 30. April 1901 etliche Offiziere des Admiralstabes, des Generalstabes und des Kriegsministeriums, um das Lister Tief auf seine. Geeignetheit als Schutzhafen für Torpedoboote im Krieg zu prüfen. Von dem Ergebnis dieser Untersuchung wird es abhängen, ob auf dem nördlichen Teil der Insel Sylt, deren Höhen sowohl das Lister Tief, als auch dessen innere Verzweigungen beherrschen, Befestigungen anzulegen sind.
Wenn dieselben auch nur unbedeutend zu sein brauchen, um ihren Zweck zu erfüllen, da schwere Panzerschiffe ihres großen Tiefganges halber die Einfahrt in das Lister Tief nicht forcieren können, so würden sie doch den strategischen Wert dieses gegen Stürme aus allen Richtungen vollkommen geschützten Hafens außerordentlich erhöhen und zwar sowohl als Schutzhafen für versprengte, beschädigte Torpedoboote nach einer Seeschlacht in der deutschen Bucht vor den Mündungen der Elbe, Weser und Jade bzw. bei Helgoland, wie auch als Ausfallhafen und Stützpunkt für Aufklärungsschiffe (keine Kreuzer).
Durch gedeckte Aufstellung einiger Haubitzen auf dem Westende von Ellenbogen, welche nach See zu schießen können, und einiger Schnellfeuerkanonen mittleren Kalibers, welche zu nördlicher Richtung das Lister Tief bestreichen können, würde der für den Kriegsfall erforderliche Schutz des Hafens gegen feindliche Angriffe gesichert sein. Auch könnte mit Leichtigkeit das Fahrwasser für feindliche Schiffe durch Minen gesperrt werden“.
Quelle: Auszug „Deutscher Soldatenhort“, Verantwortlicher Radakteur: Generalleutnant D. H. von Below. (August 1901)
Weltkrieg und Inselwache „Nur einmal erschien der Feind“
Nacherzählung von Albert Portzigs Aufzeichnungen in der Sylter Rundschau vom 14. Oktober 1954
„Für alle gedienten Sylter war der Kriegsanfang eine gute Zeit. In aller Frühe des ersten Mobilmachungstages (2. August 1914) hatten sie sich in Keitum an der Kirche einzufinden, vom jüngsten Rekruten, der gerade auf Urlaub war, bis zum ältesten Landsturmmann. Wohl an 400 fanden sich ein, aber militärische Ausrüstung war nur für 200 vorhanden.
Oder „verpasste“ sich, was er für passend hielt, und das Resultat war das, was wirklich einmal mit vollstem Recht als „Sauhaufen“ zu bezeichnen wäre. Halb Zivil, halb Uniform, teils mit, teils ohne Waffe, toll! Und das war, oder daraus entwickelte sich das Kriegsidyll, die Inselwache.
Ich erwischte Koppel, Gewehr und Patronentaschen. Eine Stunde später marschierte ich als Unteroffizier mit einer Hand voll Leute nach dem Norden ab. Meine Order: „Sie beziehen westlich von List eine Feldwache.
Tagsüber stellen Sie einen Posten nach Westen auf See hinaus. Nachts schicken Sie alle zwei Stunden je eine Patrollie nach Norden und Süden längst des Weststrandes und halten Verbindung mit einer Feldwache, die auf dem Ellenbogen eingerichtet ist und einer Feldwache, die bei Kampen zu finden sein wird.
Nun, wir machten es uns gemütlich in einer Strandhafer Pflanzer Bude, die wir etwas nördlich von Klappholttal vorfanden.“
E-Mail am 10.06.2026 an B. Raubert:
„Moin Herr Raubert, vielen Dank für Ihre freundliche Anfrage und das interessante Bild von Ihrem Großvater, im Artilleristen Mantel und mit 2 Granaten. Dieses Kaliber wurde von einer 17 cm SK L/40 abgefeuert. Hiervon gab es auf der Insel Sylt nur die Stellung „Doggerbank“ (KW2) Von dieser Kanone wurden 1916 30 Stück von der Marine an das Heer übergeben. Die auf Lafetten umgebauten Kanonen erwiesen sich für den Fronteinsatz, aufgrund des Gewichtes von etwa 11 ton, zu unbeweglich. Daher wurden die Kanonen auf Tiefbettwaggons zum Einsatz gebracht. Zwei Batterien (2 x 4 Stück) hat man 1916 als Seeziel-Küstenbatterie auf Sylt in die offene Stellung „Doggerbank“ und auf Norderney in die Stellung „Hamburg“ verlegt.
Nach dem 1. WK. durfte die Batterie „Doggerbank“ (KW 2) mit den zwei 24 cm Batterien S1 „Skagerrak“ und S2 „Vogelkoje“ auf Sylt in den Stellungen bleiben, für das „Training innerhalb des „100.000-Mann Heeres“. Dafür fertigte ein französischer Offizier eine Skizze der Stellung „Doggerbank“.
Quelle: Wikipedia
Die weitere Verwendung der 4 – 17 cm SK L/40 bis April 1945 auf Sylt ist abenteuerlich, ich müsste bis Mitternacht schreiben! Vielleicht können wir mal telefonieren oder ich zeige Ihnen während Ihres Urlaubs, wo die Stellungen der Geschütze im April 1945 lagen.
Mit herzlichen Grüßen, Günter Schroeder
E-Mail am 12.06.2026 an G. Schroeder:
„Hallo Herr Schroeder, ganz herzlichen Dank für die ausführlichen Informationen zu dem Einsatzort meines Großvaters auf der Insel Sylt. Da von meinem Großvater keine Nachrichten überliefert sind, sind Ihre Ausarbeitungen für mich und die Familienforschung von großer Bedeutung. Ihre konkreten Hinweise sind für mich sehr wertvoll und eröffnen die Möglichkeit seine damaligen Einsatzorte einmal besuchen zu können. Ihr Angebot, mir diese Orte zu Zeigen, ist wunderbar. – Zu gegebener Zeit würde ich mich sehr gerne an Sie wenden.
Nochmals vielen Dank für Ihre geschätzte Unterstützung. Viele Grüße aus der Schwalm und ein schönes Wochenende, Bernd Raubert
Batterie „Skagerrak“ (S1)
Jeweils drei 24 cm K L/35 Geschütze von Schiffen der Odin-Klasse, die ursprünglich zur Küstenverteidigung gebaut und 1916 ausgemustert wurden, verlegte man nach einem Umbau auf die Insel Sylt in die Stellung „Skagerrak“ (S1) und nach Norderney in die Stellung „Hamburg“.
1937 wurden die 3 Geschütze von der Batterie Skagerrak abgezogen und nach einem Umbau als Eisenbahngeschütz, ab 1940 an der Westfront eingesetzt.
Quelle: Wikipedia
Die 4. Geschützstellung hatte man schon im 1. WK. mit einem „Dummy“ belegt, einer hölzernen Kanone.
In den Jahren 1915 -1916 wurden die Schiffe der Wittelsbach-Klasse außer Dienst gestellt. Die geborgenen 24 cm SK /40 Geschütze hat man für die Küstenartillerie umgebaut. Davon wurden 4 Geschütze in der Batterie Stellung „Vogelkoje“ (S2) aufgestellt.
Im 2. Weltkrieg wurde die Batterie 1941 nach Mester Sande (bei Kirkenes) verlegt und kam dort 1942 zum Einsatz gegen die Geleitzüge aus den USA und Kanada auf der Fahrt nach Murmansk. Bei einer Offensive der Roten Armee im Oktober 1944 mussten die Geschütze von der Mannschaft auf dem Rückzug gesprengt werden.
298 Lager Vogelkoje
299 Hauptleitstand I Skagerrak
300 Nördlichstes Geschütz (Attrappe)
301 Reserveleitstand I Skagerrak
302 Leuchtgruppe 10 S
303 Lager Klappholttal
304 B = Stelle Klappholttal
305 Südli. Bombenbeobachtungsstand
306 Hügel mit Andreaskreuz
307 Hügel mit Kreutztafel
308 Leuchtgruppe 9 – gleichz. B Stellg.
309 Funkstation Blidsel
310 Nördl. Bombenbeobachtungstand
311 Leitstand Blidsel
312 B – Stelle querab Batterie Strand
313 Alter Ugrostand
314 B – Stelle Listland
315 Schießstand List
330 Funkgerät List
331 Offiziersheim List
332 Spitze Landungsbrücke
333 Hebekran List
334 Batterie Sandberg
335 Leuchtgruppe 6 gleichz. B – Stelle
336 Ellenbogental
337 Hohe Düne querab Leuchtgruppe 7
339 Antennenversuchsstation
340 Leitstand K.W. II
341 Leitstand K.W. II (Attrappe)
342 Lager Mövenberg
343 Flugwache 23
344 Leuchtgruppe 4 gleichz. B Stelle
345 Reserveleitstand Zenker
346 Leuchtturm Ellenbogen West
347 Turm Bruno (Zenker)
348 Schußbeobachtungs. d. Luftw.
349 Sylter Faß
350 Leuchtturm Ostellenbogen
351 Leitst. Ostel. gleichz. B-Stelle
352 Dezimetergerät Mövenberg
Artilleriepunkte im Nachbarabsch.
267 Leuchtturm Kampen
270 A.F.K. = Lg. Kampen Abt. K-sch.
290 Bahnhof Kampen
291 Peilstand Uwedüne
292 S 99
293 Kurhaus Kampen
294 Café Rehder
295 Leuchtgruppe 13
296 Kliffende
297 Kampen Unterfeuer
338 Leuchtgruppe 7 gleichz. B-Stelle
XXIX.16. „Die vorbereiteten Maßnahmen zur Auflockerung, Räumung, Lähmung und Zerstörung (ARLZ)“
Quelle: „Der Atlantikwall 1940 – 1945“ S. 128, von Dr. Thorsten Heber
Nach gründlicher Recherche wurden im April 1945 drei 17 cm SK L/40 Geschütze, die im 1. WK. in der Stellung „Doggerbank“ standen, später in der Stellung „Skagerrak“ und am Ende des Krieges in drei, als Scheune getarnte Stellungen gebracht. Zwei dieser „Holzscheunen“ befanden sich nördlich vom heutigen Fahrradweg Wenningstedt-Braderup. Die dritte „Holzscheune“ ist heute ein Teil der Strandkorbmanufaktur in Braderup. Vermutlich wurde die Stellung C nicht mehr einsatzbereit.
Koordinaten:
Stellung A: Breite 54, 55, 40. 8; Länge 8, 21, 6. 9
Stellung B: Länge 8, 20, 19. 6; Breite 54, 55, 41. 4
Stellung C: Breite 54, 55, 40. 6; Länge 8,1 9, 49. 2
Geheim: 19.12.1943, Abschnittsbefehl für die Verteidigung – Anlage 12/13 – Artilleriepunkte im Unterabschnitt Nord.
Die hier für den Nordteil der Insel aufgeführten Artilleriepunkte dienten den schweren Marinebatterien zur Zielfindung, falls sie gegen Landziele eingesetzt werden mussten.
Quelle: „Die Festung Sylt“ S. 196, von Harald Voigt
Bei der Stellung A wurde die „Holzscheune“ nach dem Krieg verlängert und mit einer Steinwand ummauert. Heute befindet sich in dem Gebäude eine Strandkorbmanufaktur. In dem Fußboden befindet sich noch ein mit Beton gefüllter Graben, in dem ursprünglich der Schienenring (äußerer Durchmesser 9,30 m) des Geschützes lag.
15 cm Batterie 16 „Budersand“
Nördlich vom Budersand Dünenmassiv befanden sich ab 1917 4 x 15 cm Kanonen in einer offenen Stellung. Die Geschütze standen offensichtlich auf einer Mittelpivot und hatten dadurch einen 360° Wirkungsbereich. Die Höchstschussweite betrug 22.000 m und war die größte aller anderen vergleichbaren Geschütze aus der Zeit des Ersten Westkriegs.
A) Die Bestimmungen des Versailler Vertrages sahen vor, dass Geschütze größer 10,5 cm Kaliber, abzugeben oder zu vernichten seien.
Quelle:Wikipedia
Im September 1919 wurde die Batterie abgebaut und wahrscheinlich in „Verwahrung“ genommen.
B) Die Lage der Geschützstellungen und ihre Zuwegung findet man heute noch im Naturschutzgebiet.
Nach dem Krieg verlassen die Soldaten die Insel Sylt
Am 10. November 1918 in der Maybachstraße. Eine Kompanie auf dem Weg vom Südbahnhof in Westerland zum Nordbahnhof, begleitet von Ordnern des Soldatenrates. Von dort aus fahren die Kolonnen mit der Inselbahn nach Munkmarsch und verlassen die Insel mit einem Raddampfer in Richtung Hoyer.
Aus dem Wachbuch geht hervor, dass es in den Batteriestellungen während der 20er Jahre recht ruhig zugegangen ist. Akribisch hat der Wachmann Mayer 1928 auf seinen „Rondengängen“ in den Batterien alles kontrolliert und zeitlich dokumentiert. Dabei muss er täglich viele Kilometer gelaufen sein, weil die Batterien bis zu 6 km voneinander entfernt liegen.
Anfang der 30er Jahre durfte Willhelm Gottlob Mayer in einem Umzug durch Westerland den Festwagen des „Reichsverband der Deutschen Gartenbauer“ lenken.
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