Die „Annie Maude“ strandet am 22. November 1888 auf Sylt

„Nachmittags um 3 Uhr neben Tatjemglaat (eben südlich von Rantum) strandet der englische Schoner mit einer Ladung Schiefer in Blöcken und Tafeln auf der Fahrt von Bangor in Wales (unweit Liverpool) nach Harburg (Hamburg). Von der starken Brandung wurde das Schiff am 23. November gänzlich zertrümmert. Kapitän Sven Williams und seine Mannschaft von 5 Mann konnten glücklich gerettet werden“.

Quelle: Sylter Archiv

Aus dem Vermessungsbericht für die „Annie Maude“ geht hervor, dass das Schiff 1864 in Sunderland auf der John Licty Werft mit einer Tonnage von 139 gebaut wurde. In dem Bericht findet man auch in einer detaillierten Materialliste den Vermerk: „Größe der Bolzen in Befestigungen, Unterscheidung, ob Kupfer, Gelbmetall oder Holznägel“. Dieser Hinweis könnte für die Identifizierung des Wrackteils der „Martha Percival“ wichtig sein. Die „Annie Maude“ war kleiner als die „Martha Percival“ und hatte daher nur 6 Mann Besatzung“.

Quelle: Lloyd´s Register Foundation

John Michael Groves malte das Bild eines 3-Mast-Schoners bei schwerer See, auf dem die Mannschaft am Gangspill ein Segel einholt.

Nach den Strandungsprotokollen der Familie Decker aus Westerland schreibt Friedrich Ball später zwei Artikel in der „Sylter Rundschau“.

Erster Artikel: „Der englische Schoner „Annie Maude“, mit Schiefer von Port Madog nach Harburg bestimmt, hielt sich zwei Tage lang im stürmischen Wetter in Sichtweite der Insel Sylt unter Segel, bis am Nachmittag des 22. November 1888 eine schwere Leckage den Kapitän veranlasste, zur Rettung des Lebens der Mannschaft den Strand aufzusuchen“.

Quelle: Sylter Archiv

Nach den Strandungsprotokollen der Familie Decker aus Westerland schreibt Friedrich Ball später einen Artikel in der „Sylter Rundschau“.

Zweiter Artikel: „Am 22. November 1888 strandete (südlich Rantum) der mit Schiefer beladene englische Schoner „Annie Maude“, Kapitän Williams. Als einige Bewohner Rantums an den Strand kamen, kam ihnen ein völlig nackter junger Mann entgegen. Voller Scham suchte er eine Planke, um sich dahinter zu verstecken. Er hatte als erster das Wrack verlassen und war an Land gekommen. Nachdem ihm einige Kleidungsstücke gegeben waren, ging er nach den Dünen, ohne sich um seine Kameraden zu kümmern. Schnell wurde der Rettungsapparat an den Strand gebracht und es gelang, die übrige Mannschaft an einer Leine ohne Hosenboje an Land zu ziehen. Sonst wurde nichts gerettet, denn bald barst das Wrack mit lautem Krach auseinander. Bei einer späteren Auktion kauften die Herren Bomhoff und Claasen einen Teil der Ladung und man kann von diesem Schiefer noch einige Stücke vor Westerländer Häusern sehen“. 

Quelle: Sylter Archiv

Tatjemglaat (Taatjemdeel) südlich von Rantum

Im 19. Jahrhundert war der Schoner einer der vielseitigsten Frachtsegler in der westlichen Welt.

Ein Schoner war ein schnelles Segelboot, es konnte mit einer kleinen Besatzung wirtschaftlich betrieben werden und auf allen Meeren und großen Flüssen kleine Häfen ansteuern. Daher wurden auf Sylt, Amrum und Römö in der Zeit von 1871 bis 1901 neben kleinen und großen Segel­boot­stran­dungen auch fünf Schoner­stran­dungen registriert. Dabei gingen 4 Ladungen Schiefer aus Wales, die für Harburg (Hamburg) bestimmt waren zum Teil verloren.

Die maritime Archäologie des walisischen Schieferhandels registrierte die Strandungen innerhalb des Zeitraumes vom 1871 bis 1901.

Schieferbruchstücke findet man auf der Insel Sylt am Strand südlich von Rantum bis zum Strandabschnitt „Sansibar“

Benässt man den Waliser Schiefer, erhält die grau/blaue Farbe eine rötliche Färbung.

„Walisischer Dachschiefer: Tonschiefer, Farben Blaugrau und Purpur, Spaltstärken 4 – 6 mm. Besonderheiten: Ist härter als der spanische Schiefer und hat typische Strukturmaserung die senkrecht verarbeitet wird“.

Quelle: Wikipedia, deutscher Fachhandel

Bei Strandungen wurde die Ladung der Schiffe, soweit man sie bergen konnte und das Holz des Wracks auf einer Auktion versteigert. An einer Versteigerung der Wrackhölzer und der Schiefer-Blöcke und -Platten beteiligten sich auch die Herren Bomhoff und Claasen. Der Baumeister Bomhoff verbaute offensichtlich Schiefermaterial von der „Annie Maude“ in einer Villa am Grünen Kliff in Keitum, die trotz verschiedener Umbauten am heutigen „Nielsens Kaffeegarten“ noch erkennbar ist.

Ein 175 x 75 x 10 cm großer Schiefer-Block vor dem Eingang des Hauses erinnert an die Strandung der „Annie Maude“ südlich von Rantum, vor 137 Jahren.

Quelle: Jens Nielsen

Zwei weitere Schiefer-Blöcke aus der „Annie Maude“ Ladung befinden sich noch vor der Haustür eines 1818 errichteten Bauernhofes, der etwa 2 Km von der Strandungsstelle entfernt gelegen ist.

Nach Sanierung der „Rantum Inge“ wird man an dem historischen Gebäude sicherlich einen Platz finden, für die Waliser Schiefer-Blöcke.

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