Stammt das Wrackteil am Sylter Strand von der Schonerbark „Martha PercivaI“ aus Porthmadog in Wales?

Im Lloyd´s Register Casualty Returns findet man den Eintrag: „Buch 1901, Martha Percival, Nation: Großbritannien, Reise: Porthmadog – Hamburg, Fracht: Schieferplatten, Strandung: Sylt 1. April 1901“.

Das Sylter Intelligenz-Blatt berichtete in der Ausgabe vom Sonnabend, 27. April 1901: „Rantum, den 23. April 1901: Nachdem Herr Quendens von Amrum es übernommen hat, die Ladung der am 1. d. Mts. gestrandeten engl. Schonerbark „Martha Percival“ zu bergen, und darnach versucht wird, das Schiff wieder flott zu machen.“ …

… „Heute morgen ist mit dem Löschen der Ladung der Anfang gemacht worden. Diese wird zunächst in ein nahegelegenes Dünenthal gefahren, um nachher bei Großflie (roter Pfeil und Punkt) in Schuten bezw. Leichter verladen, um mittels Schleppdampfer nach Harburg befördert zu werden“.

(nach dem Brand der Hamburger Altstadt im Jahr 1842, hatte man beim Aufbau des Stadtteils bis zum Ende des 19. Jh. noch großen Bedarf an Schiefer, für die Bedachung der Häuser)

…. „Das Schiff liegt jetzt 7 – 8 Fuß tief im Sande (siehe Erdschichten, Bohrung S 26), ist fast unbeschädigt und macht, wie Untersuchungen ergeben haben, wenig Wasser.

Wünschen wir Herrn Quendens, der als tüchtiger Unternehmer bekannt ist, und in solchen Dingen eine nicht geringe Erfahrung hat, auch auf unserem Strande das beste Glück“.

Quelle: Sylter Archiv.

Bevor die Schonerbark strandete, hatte sie zuvor eine Grundberührung mit einer Untiefe (1,7 m), die sich seeseitig noch vor dem Riff befand. (grüner Punkt mit Pfeil)

Bei dieser Untiefe handelt es sich offenbar um den Rest eines Sandwalls von ursprünglich acht bis neun Faden Höhe (ca. 14 – 16 m), der sich nach einer Segelanweisung und Seekarte aus dem Jahr 1608, vor der Sylter Küste vom Süden Westerlands bis Puan Klent erstreckte.

Über die Strandung schreibt Emrys Hughus in dem Buch Porthmadog Ships: „Kapitän John Jones aus Netherton House, Porthmadog, der geschäftsführende Kapitän im Jahr 1901, stellte den 33-jährigen William Jones aus Porthmadog als nächsten Kapitän der Martha Percival zur Verfügung. Sein Kommando währte jedoch nicht lange.

Die Martha Percival verließ Porthmadog Mitte März in Richtung Hamburg, strandete jedoch auf dem Weg zur Elbe in dichtem Nebel. Kapitän Jones vermerkte im Logbuch: Das Schiff ging am 1. April bei dichtem Nebel und Wind an Land, nachdem es von der Strömung 40 Meilen nach Norden – durch Ausfall der Koppelnavigation – getrieben worden war. Das Blei wurde weitergeführt, die Lotung um 11.30 p.m. am 31. März ergab 12 Faden (das könnte auch im Hörnum Tief gewesen sein), dunkler Sand“.

„Um 2 Uhr morgens hatte das Schiff zum ersten Mal Grundberührung und es rumpelte heftig. Da der Wind zunahm wurde das Schiff wieder frei und strandete um 7 Uhr morgens auf dem Sylter Strand.

Zehn Tage später wurde die Martha Percival durch Weststürme zu einem Totalschaden. Die Mannschaft wurde nach Großbritannien zurückgeschickt, aber Kapitän Jones blieb noch etwas länger, und der britische Generalkonsul in Hamburg vermerkte in den Akten: Der Kapitän, der einige Zeit vor Ort des Wracks blieb, ist ebenfalls in das Vereinigte Königreich zurückgekehrt. Er hatte jedoch keine Mittel, um die fälligen Konsulargebühren (2/-) für die Bestätigung zu bezahlen, die daher nicht abgestempelt wurde. Trotz dem gewann die Versicherung „Gomerian Freight and Outfit Mutual Insurance Society of Porthmadog“ seinen Rechtsstreit mit den Hamburger Versicherern.

Es war ein trauriges Ende für ein bemerkenswertes Schiff, auf dem einige der besten Seeleute von Gwynedd ihre Lehrzeit verbracht hatten“.

Quelle: Archiv „Caernarfon Record Office“

Während der wochenlangen Liegezeit in der Brandungszone und durch die Last der Schieferplatten Ladung, wurde das Schiff bis auf den Kleiboden in den Sand eingespült.

Daher hat man die „Martha Percival“ am 11. Juni 1901 aufgegeben und das freiliegende Schiffsteil nach einer Auktion abgewrackt.

Quelle: Sylter Archiv

Am 29.August 1901 zerstörte eine schwere Sturmflut die verbliebenen Wrackteile, etwa 50 m vor dem heutigen Dünenrand.

Durch das Luftbild lässt sich die Ortslage der damaligen Strandung lokalisieren.

Anfang 2025 verursachten Sturmfluten starke Sandverluste an der Sylter Westküste

Hierdurch wurde am 12. Januar 2025 in der Nähe des Restaurant Sansibar ein Wrackteil am Flutsaum vom Meer freigespült.

Fußball große Konkretionen aus Kleiboden und grobkörnigen Sand, zwischen den Balken und Planken deuteten darauf hin, dass das Wrackteil von einem größeren Schiff stammt und schon längere Zeit auf dem Kleiboden liegen musste.

Beim Fotografieren des etwa 6 x 2,5 m großen Wrackteils wurden die Koordinaten von allen Seiten über GPS mit einem Handy dokumentiert und die Daten im Mittelpunkt des Wrackteils festgestellt mit: 54°49.01.64 Nord 8°17.00.29 Ost

Süd-/westliche Winde und eine mäßige Brandung haben das Wrackteil innerhalb von 3 Tagen wieder eingesandet.

Markierungen an der Dünenkante und in einer Luftaufnahme gaben Hinweise auf den Umkreis der Fundstelle. Bei Niedrigwasser wurden für den ermittelten Bereich Bildserien erstellt und mit den jeweiligen Koordinaten ausgewertet.

Daraufhin konnten beim nächsten Niedrigwasser mit einer 1,5 m langen, spitzen Lanze die Fundstelle bis zu einer Tiefe von 1,35 m im nassen Sand abgetastet und die Lage des Wrackteils durch kleine Holzteilchen bzw. Schlick geortet werden.

Die Strandung der Schonerbark „Martha Percival“ kann 350 m nördlich des Restaurant Sansibar als weitere historische „Landmarke“ dargestellt werden.

Porthmadog liegt am südlichen Ausläufer des Eryri Nationalpark Snowdonia im Nord/Westen von Wales.

Porthmadog hat heute über 4.000 Einwohner und befindet sich an einem ruhigen Gewässer, 2 km von der Irischen See entfernt.

„Der Hafen wuchs dramatisch bis in die 2. Hälfte des 19 Jh. und seine Werften waren voll beschäftigt. Es entstand ein Schiefer Exporthafen mit dem stärksten Umschlag in Wales und eine wichtige Schiffbauindustrie entwickelte sich in Porthmadog. Das erste Schiff wurde 1824 am „Traeth Mawr“ (Strand) hergestellt.

In Porthmadog entwickelte man den Bau der Schooner, vom Typ „Western Ocean Yachts“. Davon wurden insgesamt 256 Schiffe gebaut. Nach dem Brand der Altstadt von Hamburg im Jahr 1842 war Germany einer der Hauptimporteure von Schiefer aus Wales“.

Quelle: Maritime Archäologie des Wales Schiefer Handels (Jenkens 2006, 247)

„Criccieth Castle“ wurde im 13 Jh. gebaut. Von der Burgruine aus hat man einen schönen Blick über die Bucht Ceredigion bis hinüber zur Irischen See und der Einfahrt für die Boote nach Porthmadog.

Am Crib Goch befindet sich eines der größten Wandergebiete im Nationalpark.

Quellenhinweise und Fotos für diesen Artikel habe ich dankenswerterweise erhalten von:

Sylter Archiv, Westerland
Cyngor Tref Porthmadog
Caernarfon Record Office
„Lloyd´s Register Casualty Returns“
Porthmadog Maritime Museum
Gwynedd Archives Service

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